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Es gibt Menschen, die Spenden Millionen oder gar Milliarden für wohltätige Zwecke. MS Gates z.B. kämpft massiv gegen Aids in Afrika. Na ja, nicht wirklich – ich kann mir einfach nicht vorstellen, wie er kondomeverteilend durch die Wüste rennt. Irgend so etwas wird aber seine Stiftung schon tun. Stiftungen werden meistens von Menschen veranstaltet, die nicht mehr wissen, was sie mit ihrem Geld noch anstellen sollen. Und dabei achten sie fast immer peinlich genau darauf, daß sie trotz Stiftungsbankett noch vom goldenen Gong geweckt werden. Oder noch besser: Stiften per Testament, quasi als Seligsprechung durch den Nachlaßverwalter.

Die erste Million ist die schwerste, sagt man. Vielleicht komm’ ich ja irgendwann soweit. Jedenfalls lohnt es sich, jetzt schon mal darüber Gedanken zu machen, was ich dann damit mache. Vermehren, klar. Wenn ich schon eine Million habe, schaff’ ich noch eine. Aber wie? Ich gründe ein Unternehmen – mit vielen Maschinen, damit ich nicht so viele Angestellte oder Arbeiter bezahlen muß. Dann muß ich mich auch nicht mit Unmengen von Betriebsräten abquälen. Aber nein – ein Unternehmen könnte Pleite gehen. Außerdem muß ich dann selbst auch viel zuviel kontrollieren. Das ist ja Arbeit, pah. Ich kauf’ ein Haus und vermiete es. Mhhh, hat man da nicht ständig Ärger mit irgendwelchen Mietern? Und das Risiko, gar keine Mieter zu bekommen? Also? – Spekulation: Aktien, Devisen, Optionsscheine. Na ja, man liest ja schon viel von Leuten, die mit Spekulationsgeschäften auf die Nase gefallen sind. Und meine Million möchte ich ja mindestens behalten. Geldverleihe wäre eine Möglichkeit. Ok, ‚Zinsen’ klingt nicht sexy. Aber ich hab’ mal gehört, daß die Konditionen besser werden, je mehr und je länger man verleiht. Eigentlich ist es auch egal, was ich mache. Der Trick ist, daß ich etwas damit mache. …und dann werde ich zwei Millionen haben, drei, vier… und irgendwann die ganze Welt. Ob sich das wohl Billy Boy sagt, wenn er sich morgen seine Augenringe im Spiegel beschaut.

Jetzt fällt mir die Sache mit der Verteilung wieder ein. Wenn man irgendwo einen Hügel aufschüttet, muß man das verwendete Material irgendwo anders einsammeln. Die meisten Kuhlen entstehen wohl so und ich frage mich, ob Kuhlen nicht überhaupt eine Erfindung des Menschen sind, der hier Mutter Natur ausgetrickst hat. Wenn man also die paar dutzend Milliarden von Billy Boy zum Beispiel als Münzberg irgendwo aufschütten würde… wo würden dann eigentlich die Kuhlen entstehen? Ihm gehört Miniweich, wenn mir die Übersetzung des Firmennamen aus dem Englischen erlaubt ist - jedenfalls ein gutes Stück davon. Immobilien kann er sicherlich sein Eigen nennen und Zinsen bekommt er wahrscheinlich irgendwoher. Und das alles, weil er irgendwann mal von Dir und mir Geld für sein Windoofs bekommen hat. Ohne jetzt in Fremdwörtereuphorie explodieren zu wollen – aber unser Dollar-Ami steckt echt im Akkumulationskreislauf fest. Mehr, mehr, mehr. Gewinne machen, Kohle anlachen, Eigentum entfachen. Das kann man sogar aufmalen:

Billy Boy hat mir noch nie Geld zum Leihen angeboten und in einer seiner Immobilien wohne ich mit auch nicht. Und arbeiten bei Miniweich – na ja :) Also, Rock-a-Billy verleiht sein Geld sicherlich an Leute, die ihm ordentlich Zinsen zahlen. Besser gesagt, er läßt Banken sein Geld für sich verleihen. Und zwar vorzugsweise an kreditwürdige Unternehmen (die es sich leisten können, Zinsen zu zahlen) mit fähigen Erbsenzählern, die sich mit dem Erwirtschaften fetter Renditen ihrer Pension oder Abfindung entgegenarbeiten.

Mit viel Glück bin ich ein Angestellter in einem Unternehmen, dem des dollen Ami’s Banken viel Geld geliehen haben. Wahrscheinlich werde ich dann – bei meinem Glück – mit den Zinszahltagen entlassen. Angenommen, ich arbeite in einer Lutscherfabrik, geht das so: Mein Chef-Chef kauft eine neue tolle Maschine, die sehr effizient 100 mal mehr Zuckerbollis in PE-Papier dreht als ich. Und das tut er mit einem Kredit von... – na rat mal. Auch schön: Plötzlich braucht mich mein Chef-Chef gar nicht mehr – er hat ja jetzt seine neue Lolli X 9000. Frisch entlassen empfängt mich meine mobbende Schwester mit einem bunten Schlecki – noch automatenwarm. Jetzt der Clou: Wen hat meine Schwester bezahlt, als sie ihre 3 Cent 80 für den Lutscher auf die Ladentheke hat rollen lassen? Sicher, den Ladenbesitzer... und meinen Chef-Chef... und die Zinsen für den Kredit, den mein Chef-Chef für sein neues Superspielzeug aufgenommen hat. Auf der einen Seite steht also unser Meister Software, der immer höhere Hügel aufschüttet und auf der anderen Seite ich, der von einem Tag zum anderen arbeitsloser Kuhlengräber geworden ist – spätestens wenn mickrig Hartz IV mich in den Dispokredit treibt. Von den Hügeln werde ich nichts mehr abbekommen, einfach weil die BillGato-Geldspeicherverwalter mit dem Hügelgeld nicht arbeitslose Schlucker bewerfen. Grund zum Heulen bietet mir das nicht – mit genug Löcherbuddlern gibt es Spiele für’s Volk: Revolution, Bürgerkriege... die ganze Palette... In bunt sieht das dann so aus:

Auf der einen Seite steht also Billy Boy, der viel Geld hat, weil wir es ihm irgendwann bewußt oder unbewußt gegeben haben (als Zinsen oder Miete oder Softwarelizenzen). Auf der anderen Seite stehen Menschen – z.B. Arbeitslose - denen the big B niemals Geld zurückgibt, auch wenn diese ursprünglich zu seinem Reichtum beigetragen haben. Verteilung und Verfügungsgewalt haben wohl viel miteinander zu tun. Der Name des Geldhelden spielt übrigens keine Rolle. Nimm‘ Schumacher oder den Milchmüller. Es gibt eben Berge und Kuhlen. Auch die Täler reißen das nicht wirklich raus. Jemand, der 1 Milliarden von 50 stiftet, hat immernoch 49 als Hügel rumliegen.

Wie schon erzählt würde ich wahrscheinlich das Geldhügeln genauso betreiben, wenn ich B-Boy wäre. Es gibt eine Sache, die mich aber doch bedrückt. Die Zentralbanken helfen ihm auch noch dabei. Ja. Die legen nämlich die Höhe der Zinsen selbst fest mit Leitzinsen und Offenmarktgeschäften. Und dann spielen sie auch noch Gott, wenn sie ihren Inflationsratenkorridor auf 1-2% festlegen. Als wenn 1-2 prozentige Inflation naturgegeben ist. Dabei sitzen dort viele Herren, die sonst immer begeistert von den Mechanismen des Marktes, also von Selbstregelmechanismen, schwärmen. Zentralbanken versuchen mit den hohen Zinsen Oma’s Matratzen- und Nachbar’s Dealer Schwarzgeld zur Bank locken. An sich edel – Geld verschenken - als gesteuerte Zinsen verpackt. Dumm nur, daß die Beschenkten ausgerechnet die sind, die eh schon viel haben. Und das geht so: Menschen die all‘ ihr Geld in Tausend-Euro-Scheinen nicht mehr selbst tragen könnten, dürfen es zum hohen Kapitalmarktzins verleihen, der auch das Inflationsrisiko einpreist. Der große Rest ohne Mille darf hoffen, daß der Zins zu Fußvolk-Konditionen wenigstens die Inflation kompensiert. Und hier nochmal als Augenfutter:

Wie heißt nochmal die Gallionsfigur von Böse einer großen deutschen Bank? Oder sein Kollege einer noch größeren deutschen Eisenbahngesellschaft? Egal, der Feind ist Manager. Natürlich liegt das auch an unverschämt hohen Bezügen. Uns schwant schon, daß das wieder in der Hügeldiskussion endet, die langsam nervt. Schön auch: Warum verdienen manche Kommandierlumpis Millionen oder auch nur halbe, während seine Kollegen auf den niederen Rängen mit wenigen dutzend tausend Euro nach Hause geht, auch wenn es sich jeweils lediglich um Bürojobs handelt? Wegen der Verantwortung, ist normalerweise die Standardantwort. Ich habe noch von keinem Fall gehört, bei dem ein Manager im Hungerturm gelandet ist, weil er die Firma an die Wand gefahren hat - persönliche Risikokompensation kann es also nicht sein. Und jetzt kommt’s: Freiheit und Verantwortung sind die zwei Seiten einer Medaille: Freiheit ist der Zustand vor der Entscheidung, Verantwortung der danach. Wenn ein Manager für mehr Verantwortung potentiell mehr Geld bekommt, was muß er dann für mehr Freiheit im Verhältnis, also auch potentiell, mehr abgeben? Wenn wir also die ganze sinnlose Diskussion mit der Verantwortung mal beiseite lassen, was bleibt dann über? Was genau leisten die Herren Bank und Bahn mehr als ihre Kollegen zum Beispiel des Einkaufes ein paar Hierarchiestufen tiefer? Auch hier: Keine Beschwerde, daß es Lohnunterschiede gibt. Nur die Größe des Unterschiedes interessiert und daß es keinen Mechanismus gibt, der unendliches Superlohnwachstum natürlicherweise begrenzt.

Konzentrieren wir uns und schauen nochmal auf meinen fiktiven Ex-Chef-Chef, die clevere Zuckerschnute. Mit seiner neuen Süßstangenvertütungsmaschine verdoppelt der doch glatt seinen Gewinn; trotz Zinsen. In der Wirtschaftspresse firmiert das unter ‚Gewinnsprung durch Kostenkonsolidierung‘. Yup, nach so ‘ner Entlassung fühlt man sich konsolidiert - aber hier will ja keiner rumheulen. Stattdessen konsolidieren wir lieber mal die Fakten: Das alleroberste Ziel des Betriebsgurus ist es, Gewinn zu generieren, und zwar soviel und so oft wie möglich. Mhhh, schon wieder mehr, mehr, mehr. Wie das endet, konnten wir ja schon eindrucksvoll am Beispiel unserer Softwarelocke sehen. Aber das ist eben noch nicht alles. Die endlose Gewinnerzielungssucht wird bei unserem Lutscherheld dazu führen, daß er alle Konkurrenten aufkauft und sich dann Monopolist nennen darf. Die Bäckereifachverkaufskette versucht einfach, sich mit immer billigeren und natürlich total gesunden Fertigmehlmischungen den Gewinn schön zu backen. Wenn Sarkasmus schmerzen würde, säßen wir jetzt wohl lieber beim Zahnarzt. Deswegen, Gammelfleischskandal nur kurz… ohne Worte. Dabei ist es gar nicht verwerflich, Gewinne zu machen. Das Problem ist eigentlich nur das Suchtpotential der Gewinnsteigerung als Fortsetzungsgeschichte… Und das entsteht hauptsächlich deshalb, weil Unternehmenseigentümer keine Rechenschaft ablegen müssen, jedenfalls nicht gegenüber ihren Mitarbeitern, die den Gewinn erarbeiten und/oder das Eigenkapital des Unternehmens mehren. Ja sicher, der Unternehmer hat initial irgendwelches Kapital gegeben und gebetet, daß alles gut läuft. Oder besser, anstatt zu beten hat er solange auf seine Mitarbeiter eingeredet, bis die sich  gelohnt haben. Aber welcher Teerschlucker hat sich eigentlich überlegt, daß das Unter-Nehmer für alle Zeit als einzige Gewinnempfänger legitimiert? Und zurück zu den Erklärfarben:

Irgendwie sieht die Grafik komisch aus. Fehlt da nicht noch etwas? Ach ja, die Devisen-, Güter- und Rohstoffspekulation. Spekulation ist wie eine große Party mit viel Champagner und lauter Musik, die alle nicht Eingeladenen von ihrer Ruhe abhält. Spekulation manipuliert Preise. Und das ist das beste Mittel gegen einen funktionierenden Markt. Und wir sind live dabei – mikroskopisch untersucht – die Währungsspekulation: Sicherlich kann ich noch irgendwo ein paar Kokser-Freunde mit etlichen Milliarden auftreiben. Ich überrede die dann, auf einen steigenden Dollar zu wetten und wir kaufen Dollar. Ganz überraschend steigt der Dollar (schließlich weiß keiner aus unserer Clique, daß bei steigender Nachfrage der Kurs an sich steigt). Doof nur, wenn jetzt irgendjemand echte Produkte zu Dollarpreisen aus Amiland importieren möchte – wird wohl teurer für ihn – Schade eigentlich. Und das Tolle daran ist, daß meine Freunde und ich auch noch Kredite aufnehmen können um noch mehr Geld zu tauschen. Irgendwie kriegen wir die Kurse schon manipuliert. Alles in allem, bitte schön - draufklicken zum Vergrößern:

Nun wurmt uns aber doch die Frage, wie wir die ganzen kleinen Disaster auflösen können. Ach, guck' doch dafür einfach mal ins Programm.




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